Ist es wirklich wichtig?

„Ring… Ring… Ring… Hallo, bei mir wird es heute wieder später. Ich habe noch so viele Dinge zu erledigen. Ich melde mich, sobald ich loskomme…“

So oder so ähnliche Telefonate sind Peter nur zu gut bekannt. Wieder schafft er es nicht nach Hause zu seiner Familie. Schafft es nicht beim Abendessen mit seinen Kindern da zu sein. Kein Spielen, kein Herumtollen, kein Zähneputzen, kein gemeinsames Schlafengehen, keine Gute-Nacht-Geschichte.

Wenn Peter nach Hause kommt, ist er gerädert. Wieder einen 12 Stunden Arbeitstag hinter sich gebracht. Ein Meeting jagte das andere. Da ist auch noch dieses Mega-Projekt. Er muss nur noch etwas reinbeißen, dann kommt die nächste Gehaltserhöhung, die nächste Karrierestufe schon ganz bald.

Peter hatte erst am Wochenende ein intensives Gespräch mit seiner Frau. Das kann so nicht weitergehen. Die ganze Erziehungs- und Hausarbeit hängt an ihr. Sie erwartet sich etwas mehr Unterstützung. Peter sicherte zu, zukünftig stärker mitzuhelfen. Es kann nur gemeinsam funktionieren.

Obwohl Peter es sich fest vorgenommen hat, klappt es schon zum dritten Mal in Folge in dieser Woche nicht, dass er wie vereinbart rechtzeitig zu Hause ist. Für den Rest der Woche sieht es nicht besser aus. Und da ist noch diese Deadline kommenden Montag. Es sind nur ein paar Kleinigkeiten, die er am Wochenende zu erledigen hat.

Warum schafft es Peter nicht, sich mehr Zeit für seine Familie zu nehmen? Er nimmt es sich doch so fest vor.

Stellen wir uns nun folgende Situation vor. Peter kommt zur vereinbarten Uhrzeit nach Hause. Lässt die Arbeit Arbeit sein. Nimmt sich Zeit für seine Familie, für seine Frau, für sich selbst. Er ist ausgeglichen und kann das Leben genießen. Am nächsten Tag steht er etwas früher auf, fährt zur Arbeit und arbeitet gleich als erstes an den Dingen, die für die Zielerreichung von höchster Relevanz sind. Wenn es um zusätzliche Aufgaben geht, wiegt Peter genau ab, ob er zusagt oder nicht, da er auch noch andere Verpflichtungen in seinem Leben hat: Familie, Hobbys, Sport und andere Aktivitäten. Am Ende des Tages kommt er voller Energie nach Hause und freut sich schon, zu Hause mitzuhelfen. Die Kinder freuen sich schon, mit Papa herumzutollen. Seine Frau schaut ihm tief in die Augen und ist von großer Liebe und Zuneigung erfüllt.

Welche dieser beiden Geschichten ist erstrebenswert? Welche Geschichte gibt uns ein größeres Zufriedenheitsgefühl? Welche lässt uns glücklicher sein?

Wo liegt nun der große Unterschied? Peter verhält sich im ersten Fall reaktiv. Er nimmt Dinge als gegeben hin und schafft es nicht, seine vereinbarten Prioritäten mit der Familie einzuhalten. Im Job ist er unter Druck und „muss“ Dinge erledigen. Er findet keine Zeit für seine Familie. Seine Priorität für die Arbeit ist bei weitem höher als für seine Liebsten.

Doch eines Tages hörte Peter ein Zitat, das ihn zum Nachdenken anregte: „Jedes Mal, wenn du sagst, ich habe keine Zeit, ersetze es durch „das ist es mir nicht wert“.“

Das Gehörte wollte ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen. Immer wieder musste er daran denken und dabei musste er feststellen, dass er tatsächlich seine Arbeit höher priorisierte als die Zeit zu Hause.

  • Er stellte fest, dass er zu Hause nicht ersetzbar ist.
  • Er stellte fest, dass er indirekt seiner Frau sagte, du bist mir die Zeit nicht wert.
  • Er stellte fest, dass er seinem Arbeitgeber zeigen wollte, wie sehr er das alles wolle. Wieviel es ihm wert ist.
  • Er stellte fest, dass er durch sein „Wertsystem“ das Gegenteil von dem erreichte, was er sich eigentlich vom Leben wünschte.

Danach wusste er genau, dass, wenn er nichts ändert, vieles in die Brüche gehen und die Beförderung dann nichts mehr wert sein wird.

Nach dieser Einsicht fasste Peter den Entschluss, die Dinge zu ändern. Er legte sich einen Plan zurecht, in dem eindeutig formuliert war, wann er zur Arbeit fährt und wann er nach Hause geht. Komme, was wolle. Er kommunizierte sein Vorhaben klar an seinen Boss und seine Kollegen. Wenn wieder der Auslöser da war „Peter kannst du das heute noch erledigen?“, hatte er ein vorgefertigtes Rezept. Er fragte nach, wie wichtig es sei, wägte ab und entschied, ob er es noch heute erledigen muss oder er lieber nach Hause zu seiner Familie fährt. Es stellte sich in den meisten Fällen (etwa 95%) heraus, dass die Dinge bei weitem nicht so dringend waren wie ursprünglich angenommen.

Peter konnte dadurch sein eigenes Gleichgewicht im Leben finden. Durch seinen bewussten Umgang mit seinen eigenen Ressourcen, der seiner Familie und der seiner Kollegen wurde Peter erfolgreicher denn je zuvor und er wurde als fröhlicher und lebenslustiger als vorher beschrieben. Seine Kollegen wollten den „alten“ Peter absolut nicht zurück. Die Beförderung war nur noch eine Begleiterscheinung.

Ist dir so ein Peter bekannt? Mit kleinen Schritten ist es möglich, zu einem erfüllteren Leben zu finden. Peter hat es geschafft. Es ist möglich.

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Liebe Grüße, Andreas